'Einordnung'

Allgemeines


Caravaggio begründete mit seinem Schaffen eine neue Epoche der europäischen Malerei. Die Einzigartigkeit seines naturalistischen Kunststils besteht in seiner berühmten Helldunkelmalerei und wurde von Künstlern in ganz Europa imitiert und gepflegt. Solche Stilleben- und Genremalerei des italienischen, französischen und niederländischen Frühbarock bezeichnet man als carravaggesque.

 

Zusammen mit dem Lebenswerk Annibale Carraccis gilt sein Schaffen als Überwindung des Manierismus und Begründung der römischen Barockmalerei. Während der Manierismus der Renaissance gemässigtere Lichtkontraste und Proportionen pflegte, akzentuierte er die Lichtunterschiede und die Perspektive durch effektvolle Verkürzungen der Proportionen.

 

In Abgrenzung zu Carracci und Guido Reni, die einem gewissen idealisierenden Akademismus anhingen, fokussierte Caravaggio in seinen Darstellungen die „realistische“ und unbeschönigte Alltäglichkeit.

Gegenwärtige Bedeutung

Trotz seines nachhaltigen Einflusses, wurde Caravaggio schon hundert Jahre nach seinem Tod kaum mehr wahrgenommen.
Michelangelo, der sieben Jahre vor Caravaggio verstarb , stellte den lombardischen Künstler lange Zeit in den Schatten.
Im 20. Jahrhundert änderte sich das ziemlich schlagartig.
Diese Veränderung in der Wahrnehmung ist unter anderem dem italienischen Kunsthistoriker Roberto Longhi zu verdanken, der zum einen eine Monographie zu Caravaggio und zum anderen 1951 eine grosse Ausstellung in Mailand kuratierte.

 

Caravagggios Popularitätswert ist im letzten Jahrhundert dermassen angestiegen, dass er denjenigen Michelangelos sogar zu übersteigen scheint – zumindest gemessen an der Anzahl der Bücher, Aufsätze und Artikel aber auch fiktionaler Werke, die seit den achtziger Jahren zu Caravaggio erschienen sind. Die Innovation Longhis allein kann dafür wohl nicht verantwortlich gemacht werden. Woher kommt dieses plötzliche Interesse?
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