Archive for April, 2010

Allgemeines


Caravaggio begründete mit seinem Schaffen eine neue Epoche der europäischen Malerei. Die Einzigartigkeit seines naturalistischen Kunststils besteht in seiner berühmten Helldunkelmalerei und wurde von Künstlern in ganz Europa imitiert und gepflegt. Solche Stilleben- und Genremalerei des italienischen, französischen und niederländischen Frühbarock bezeichnet man als carravaggesque.

 

Zusammen mit dem Lebenswerk Annibale Carraccis gilt sein Schaffen als Überwindung des Manierismus und Begründung der römischen Barockmalerei. Während der Manierismus der Renaissance gemässigtere Lichtkontraste und Proportionen pflegte, akzentuierte er die Lichtunterschiede und die Perspektive durch effektvolle Verkürzungen der Proportionen.

 

In Abgrenzung zu Carracci und Guido Reni, die einem gewissen idealisierenden Akademismus anhingen, fokussierte Caravaggio in seinen Darstellungen die „realistische“ und unbeschönigte Alltäglichkeit.

Gegenwärtige Bedeutung

Trotz seines nachhaltigen Einflusses, wurde Caravaggio schon hundert Jahre nach seinem Tod kaum mehr wahrgenommen.
Michelangelo, der sieben Jahre vor Caravaggio verstarb , stellte den lombardischen Künstler lange Zeit in den Schatten.
Im 20. Jahrhundert änderte sich das ziemlich schlagartig.
Diese Veränderung in der Wahrnehmung ist unter anderem dem italienischen Kunsthistoriker Roberto Longhi zu verdanken, der zum einen eine Monographie zu Caravaggio und zum anderen 1951 eine grosse Ausstellung in Mailand kuratierte.

 

Caravagggios Popularitätswert ist im letzten Jahrhundert dermassen angestiegen, dass er denjenigen Michelangelos sogar zu übersteigen scheint – zumindest gemessen an der Anzahl der Bücher, Aufsätze und Artikel aber auch fiktionaler Werke, die seit den achtziger Jahren zu Caravaggio erschienen sind. Die Innovation Longhis allein kann dafür wohl nicht verantwortlich gemacht werden. Woher kommt dieses plötzliche Interesse?
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Thematische Schwerpunkte


Seine Hinwendung zu sakralen Themen vollzog Caravaggio schon mit 23 Jahren. Gebildete Aristokraten und kirchliche Würdenträger haben an seinem Schaffen vor allem die Verbindung von Alltag und Transzendenz, von Profanem und dessen religiösen Überhöhung geschätzt.

 

Es gelang ihm, das Moment frommer Anbetung in die sinnliche Wirklichkeit einzubinden. Umgekehrt stellte er auch die Engel so dar, als wären sie irdische Protagonisten. Die religiöse Überhöhung verwirklichte er aber nicht wie etwa Carracci durch idealisierte Schönheit, sondern durch die Einzigartigkeit des Moments, dessen kraftvolle Dramatik den Betrachter regelrecht in das Gemälde hineinzuziehen vermag.
Für die biblischen Frauengestalten standen ihm die Prostituierten, namentlich Lene und Fillide, Modell.

 

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Arbeitsweise & Einflüsse


Die künstlerische Innovation seiner Malerei bestand vor allem im Einsatz der Lichteffekte, die er durch ein schräg einfallendes, streuungsfreies Schlaglicht dramatisierend zur Wirkung brachte.
Diese effektvolle Hell-Dunkel-Malerei verhalf ihm zu Ruhm, Nachahmung und zum Neid seiner Malerkollegen.
Die Vorzeichnungen fertigte er nicht wie üblich detailliert auf der grundierten Leinwand an, sondern fertigte die Pinselvorzeichnngen in Bleiweiss an und ritzte die herauszuhebenden Stellen mit dem Pinselstiel ein.

 

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Als Künstler


Sein Einfluss auf die Künstler seiner Zeit bescherte Caravaggio eine eigene Richtungsbezeichnung: Caravaggismus nennt sich ein Malstil, der vor allem durch Bartolomeo Manfredi verbreitet wurde und der, obwohl Caravaggio keine eigenen Schüler hatte, die Malerei des Barock nachhaltig beeinflusste. Seine Wirkung reichte von Italien, Frankreich, Deutschland bis Spanien. Insbesondere wurden Niederländer wie Hendrick Terbrugghen, Gerard van Honthorst, Dirck van Baburen von Caravaggio beeinflusst, die sich in Rom zu „Caravaggisten“ ausbilden liessen. Zu den Caravaggisten gehören auch Orazio Gentileschi, Artemisia Gentileschi, Georges de la Tour, Rembrandt, Jusepe de Ribera, Johann Ulrich Loth, Rubens, Vermeer und Diego Velaquez.

Als Mensch


Die Beschreibungen zur Persönlichkeit des Künstlers sind ziemlich einstimmig: mit hemmungslosen Trinkgelagen, Bordellbesuchen, seiner Spielwut, Rauf- und Händelsucht hat er sich den Ruf des „verruchten Künstlers“ zugezogen.

 

Dass sich diese Wahrnehmung nicht einer nachträglichen Mythisierung von Caravaggio verdankt, sondern durchaus reale Spuren hinterlassen hat, haben die italienische Wissenschaftler, Riccardo Bassani und Fiora Bellini, mit Prozess- und Gerichtsakten, Beschwerden und Anklagen als auch vertraulichen Briefen belegt.

 

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Caravaggios weiterer Werdegang


Nach wenigen Jahren trat Caravaggio der Bruderschaft der Maler bei. Propero Orsi verhalf Caravaggio zur Selbstständigkeit, indem er ihm eine Unterkunft im Palast seines Onkels verschaffte und Caravaggio einen Käufer von drei Gemälden vermittelte; Handlesende Zigeunerin (1594), Reuige Magdalena, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (beide 1594).

Einen weiteren Gönner fand er kurz darauf in Francesco Del Monte, einem Kardinal, der ihm für fünf Jahre sowohl Kost und Logis, als auch Protektion gewährte.
Nunmehr gehörten vor allem Aristokraten und kirchliche Würdenträger zu seinen Auftraggebern.
Darunter waren Kardinal Scipione Borghese, der Nepot des Papstes Paul V. (Begründer der Gemäldesammlung Galleria Borghese) und weitere sechs Mitglieder der Apostolischen Kammer.

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Ausbildung und erste Werke


1584, mit also dreizehn Jahren, ermöglichten die Eltern dem jungen „Caravaggio“ eine vierjährige Ausbildung in Mailand bei Simone Peterezano. Wahrscheinlich hat er anschließend erst Venedig für das Studium venezianischer Kunst besucht und sich spätestens 1592 in Rom niedergelassen.
Pandolfo Pucci, ein Prälat der christlichen Kirche, unterstützte den mittellosen Caravaggio mit Unterkunft und Essen. Man geht davon aus, dass Caravaggio das in diesem Zeitraum entstandene Gemälde “Bacchino malato” (1593), während eines längeren Hospitalaufenthaltes schuf.
Als Mitarbeiter verschiedener Malwerkstätten, lernte er, wie mit Kunst Geld verdient werden konnte und wie wichtig die Unterstützung angesehener Fürsprecher für seine Karriere sein konnte.

 

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Kindheit


Michelangelo Merisi wurde am 29. November 1571 in Mailand als Sohn eines Mauermeisters geboren. Man kennt ihn unter dem Namen Caravaggio, der Name des Herkunftsortes seines Vaters, Fermo Verisi. Die ersten Jahre nach Caravaggios Geburt verbrachte die Familie Merisi in Mailand. Infolge der Pestepidemie kehrte sie 1576 nach Caravaggio zurück.