Michelangelo Merisi da Caravaggio


Michelangelo Merisi (1571 – 1610), nach dem Herkunftsort seines Vaters benannt, begründete mit seinem Schaffen eine neue Epoche der Malerei. Er gilt mit der „Erfindung“ seiner effektvollen Helldunkelmalerei als Begründer der römischen Barockmalerei und zusammen mit Annibale Carracci als Überwinder des Manierismus. Viele Künstler, sogenannte Carravaggisten, in Italien, Frankreich und den Niederlanden, liessen sich von Caravaggio beeinflussen und übernahmen dessen stilistischen Eigenheiten. Die unverkennbare Originalität seiner Bilder besteht in der kraftvoll dynamischen Verbindung von Religiösität und unbeschönigter Alltäglichkeit.
Nachdem Caravaggio lange Zeit aus dem Wahrnehmungsfeld der Öffentlichkeit verschwand, war im letzten Jahrhundert ein regelrechtes „Comeback“ zur Würdigung seines Lebenswerkes und seiner Person zu beobachten. Caravagggios Popularitätswert ist dabei dermassen angestiegen, dass er derweil denjenigen Michelangelos sogar zu übersteigen scheint – zumindest gemessen an der Anzahl der Bücher, Aufsätze und Artikel aber auch fiktionaler Werke, die seit den achtziger Jahren zu Caravaggio erschienen sind. Von Interesse sind dabei nicht nur seine zahlreichen Werke und deren Bedeutung in der Kunstgeschichte, sondern auch sein Lebenswandel scheint für sich selbst genommen ein Kunstwerk zu sein: zwischen Bordell, Gefängnis und Flucht siedelt sich eine Lebensgeschichte an, in der Autoren, Filmemacher und Wissenschaftler gern den zeitlosen Mythos des „wilden und verruchten Künstlers“ wiederfinden und als Vorlage für künstlerische und wissenschaftliche Aufarbeitung nutzen.